Gesundheit und Medizin

Die allgemein gesundheitsfördernde Wirkung von Yoga ist seit langem unbestritten. Immer mehr aber werden Yoga oder Elemente des Yoga als Ergänzung konkreter medizinischer Therapien entdeckt. Die Anwendungsgebiete sind sehr verschiedenartig, neben zahlreichen Anwendungen, deren Nutzen mittlerweile wissenschaftlich gut belegt ist, gibt es auch immer wieder neue Felder, in denen Mediziner auf die Kraft des Yoga setzen.

Im deutschen Sprachraum wurde diese Entwicklung vor mehr als 40 Jahren eingeleitet, als der deutsche Arzt Dr. Werner Spiegelhoff 1963 sein Buch „Yoga und unsere Medizin - ärztliche Anleitungen zu Yogaübungen“ veröffentlichte. Das Werk entstand aus der Zusammenarbeit mit dem indischen Gastarzt Gouri Shanker Mukerji und enthält zahlreiche Therapievorschläge, bei denen Körper- und Atemübungen aus dem Yoga eingesetzt werden.

Als aktuelles, wissenschaftliches Standardwerk gilt das von der aus der DDR stammenden Verhaltensforscherin Dr. Martina Bley herausgegebene Buch „Yoga in der Gesundheitsforschung“. Dieses gibt einen Überblick über die wissenschaftliche Yogaforschung und die Wirkungen von Yogaübungen auf Körper und Psyche. Verlag Schweizer Yogaverband, Bern 2006, 83 Seiten, Bestellungen über www.swissyoga.ch.

Seit einigen Jahren bieten die Berliner Ärztin Dr. Imogen Dalmann und ihr Kollege Martin Soder Yoga als Therapie bei bestimmten Krankheiten (Rückenschmerzen, Bluthochdruck, Migräne, Angstzustände, depressive Verstimmungen etc.) in ihrer Yoga(arzt)praxis an. www.byz.de und www.yoga-info.de

Seit 2008 bietet der Wiener Arzt Dr. Andreas Goldammer therapeutisches Yoga unter schulmedizinischer Leitung in Kombination mit Osteopathie und Physiotherapie an. www.yogapraxis.org  

Yoga-Anwendungsgebiete

Asthma
In einer umfassenden Untersuchung an der Universität Graz über die Wirksamkeit alternativmedizinischer Methoden wurde Yoga als einziger Methode therapeutische Wirksamkeit bei Asthma attestiert. Bei längerer und konsequenter Teilnahme an Yogaübungen verändert sich auch das Atemverhalten. Der Atem wird tiefer und langsamer. Das bewirkt zumindest graduelle Verbesserungen bei asthmatischen Leiden.

Bluthochdruck (Hypertonie)
In einer Studie von Martina Bley wurde auch die positive Wirkung von Hatha-Yoga bei hohem Blutdruck belegt. Nach vier Wochen Yoga war ein signifikanter Rückgang des Blutdrucks, aber auch eine geringere Variabilität beim Herzrhythmus festzustellen.

Diabetes
Indische Studien haben ergeben, dass bei Zuckerkranken, die mit regelmäßigen Yogaübungen begannen, binnen sechs Monaten eine signifikante Senkung des Blutzuckerspiegels festzustellen war. Anders als bei gesunden Yoga-Ausübenden war auch mit Hatha-Yoga eine Gewichtsreduktion zu erzielen.

Gewichtsreduktion und Fettabbau
Wer abnehmen will, sollte sich nicht auf Yoga verlassen. Verglichen mit Fitnesstraining, Aerobic, Ausdauersportarten, etc. bringt Yoga kaum nennenswerte Effekte für den Fettabbau.
Die Ausnahme ist allerdings Ashtanga-Yoga oder Bikram Yoga. Hier dominieren nicht Haltungsübungen, sondern diese Form des Yoga ist sehr dynamisch und bewegungsorientiert. Damit werden im Hinblick auf Fettverbrennung ähnliche, oft sogar bessere Wirkungen als mit den „westlichen“ Fitnessangeboten erzielt.

Herz-Kreislauf-System
Yoga kann sowohl alleine, als auch in Kombination mit Fitnesstraining zur Verbesserung des Herz-Kreislauf-Systems eingesetzt werden. Zwar hat Yoga kaum messbare Trainingseffekte für die Ausdauerleistung, doch werden kardio-vaskuläre Funktionen durch die Körper- und Atemübungen positiv beeinflusst: Puls und Blutdruck werden gesenkt, die Durchblutung der inneren Organe verbessert sowie Stoffwechsel und der Lymphstrom angeregt.

Kopfschmerzen
Bei chronischen Kopfschmerzen (Migräne) sind ebenfalls Verbesserungen durch Yoga erzielt worden. Generell wirkt sich die Entspannung in Ruhe- und Meditationsphasen positiv aus. Besonders gute Wirkungen können aber mit einem speziell zusammengestellten Übungsprogramm erreicht werden, da Kopfschmerzen sehr oft von Verspannungen im Nackenbereich und Fehlhaltungen herrühren.

MS - Multiple Sklerose
Multiple Sklerose ist derzeit nicht heilbar. Eine erfolgreiche Krankheitsbewältigung und die Ausbildung von Ressourcen zur körperlichen und psychischen Bewältigung des Alltags sind daher von größter Bedeutung für die Betroffenen.
Internationale Arbeiten und erste Ergebnisse eines in Wien laufenden Projektes zeigen, dass regelmäßig ausgeführte Hatha-Yogaübungen Menschen in dieser Situation unterstützen.
Wichtig sind ein sorgfältiges Unterrichtskonzept und der Einsatz von Hilfsmitteln. Der Kurs in Wien wirkte sich äußerst positiv auf die Motivation aus, sich zu bewegen, auf das Wohlbefinden, Energie, Verspannungen, Körperhaltung, Beweglichkeit, Konzentration, Gelassenheit und Kraft. (Quelle: Brigitte Czaker, Yogalehrerin BYO/EYU und Mag. Dr. Cornelia Sauter Tel.: +43/1/310 56 86)

Rückenprobleme & Gelenksbeschwerden

Korrekt durchgeführte Asanas (Körperübungen) belasten normalerweise Gelenke, Muskeln, Bandscheiben, Bänder etc. überhaupt nicht. Hingegen werden die Beweglichkeit und die Biegsamkeit des gesamten Bewegungsapparats und der Wirbelsäule gefördert. Bei chronischen Rückenbeschwerden und nach Sportverletzungen werden daher mit Yoga sehr gute Erfolge erzielt.

ACHTUNG!
Trotz der insgesamt sehr positiven Wirkung von Yoga, gibt es natürlich auch Risken, die unbedingt beachtet werden sollten:

Akute Erkrankungen
Hören Sie auf Ihren Körper! Bei akuten Erkrankungen sollte generell kein Sport und auch kein Yoga betrieben werden, insbesondere bei Verkühlungen ist Vorsicht geboten.

Bandscheibenprobleme
Bei manchen Problemen mit der Wirbelsäule kann Yoga sehr hilfreich sein, bei schwerwiegenden Bandscheibenschäden ist hingegen große Vorsicht geboten. In diesem Fall sollte man bevor man mit Yogaübungen beginnt, unbedingt einen Arzt konsultieren, um abzuklären, ob und welche Yogaübungen empfehlenswert oder bedenklich sind.

Bluthochdruck
Bei ausgeprägtem Bluthochdruck ist Vorsicht bei Übungen geboten, bei denen sich der Kopf tiefer als der Rumpf befindet.

Verletzungsrisiko
Yogaübungen beinhalten komplexe Bewegungs- und Haltungsmuster, die stark von der alltäglichen Belastung des Körpers abweichen. Richtig durchgeführte Übungen sind äußerst nützlich für den Bewegungsapparat, doch bei falscher Ausführung geht nicht nur die positive Wirkung verloren, es können sogar Schädigungen der Wirbelsäule, Muskeln, Bänder und Sehnen eintreten. Yoga allein im „Selbststudium“, also ohne Rückmeldung und Kontrolle durch eine qualifizierte Lehrerin oder einen qualifizierten Lehrer, zu erlernen, ist daher nicht unproblematisch.

Tipp
Broschüre über deutschsprachige Forschungsarbeiten zum Thema Yoga:
"Yoga - im Spiegel der Wissenschaft", Dr. Christian Fuchs M.A.
Beim Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland (BDY) www.yoga.de zu bestellen.